Viel kühlen nach einem Lideingriff– aber wie viel ist genug?

Periokuläre Kühlung nach Eingriffen: Eine Übersicht der aktuellen Evidenz
Nach ästhetischen Eingriffen im Gesichtsbereich, insbesondere im Bereich der Augenlider, wird die lokale Kühlung häufig als unterstützende Massnahme in der frühen Phase nach dem Eingriff eingesetzt. Ziel ist es, das Wohlbefinden zu fördern und typische Reaktionen wie Schwellung oder Spannungsgefühl zu begleiten.
Eine umfassende Analyse klinischer Studien mit insgesamt 3425 Patientinnen und Patienten zeigt, dass Kryotherapie mit einer moderaten Reduktion von Beschwerden in den ersten Tagen nach einem Eingriff sowie mit einem geringeren Bedarf an Schmerzmitteln assoziiert sein kann (1). Gleichzeitig wird deutlich, dass der Effekt der Kühlung vom jeweiligen Eingriff sowie vom angewendeten Kühlprotokoll abhängt (2,3). Gerade im Bereich der Lidchirurgie kann es in den ersten 24 Stunden zu einer vorübergehenden Zunahme der Schwellung kommen, was Teil der physiologischen Gewebereaktion ist. In diesem Zusammenhang wird eine gezielte und regelmässige Kühlung häufig eingesetzt, um das subjektive Empfinden in dieser Phase zu unterstützen (6).
Auch kontrollierte Kühlverfahren wurden untersucht. Studien aus der Gesichts- und Kieferchirurgie zeigen, dass kontinuierlich regulierte Kühlungssysteme mit einer Reduktion von Schwellung und Beschwerden in Verbindung stehen können (4). Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass eine Kühlung vor bestimmten Eingriffen im Lidbereich mit einem geringeren Ausmass früher Gewebereaktionen assoziiert sein kann (5).
In der praktischen Anwendung wird daher häufig eine strukturierte Kühlung empfohlen. Dazu gehört in den ersten Stunden nach dem Eingriff eine wiederholte Anwendung über kurze Intervalle, gefolgt von regelmässigen Anwendungen in den darauffolgenden Tagen. Ziel ist eine gleichmässige und kontrollierte Kühlung der behandelten Region.
Neben der Häufigkeit spielt auch die Art der Kühlung eine Rolle. Anatomisch angepasste Kühlmasken können im Vergleich zu herkömmlichen Kühlpads eine gleichmässigere Auflage auf der periokularen Region ermöglichen. Dadurch kann die Kühlung homogener verteilt werden, während flache Kühlpads häufiger nur punktuell wirken.
Darüber hinaus kann eine ergonomische Passform dazu beitragen, die Anwendung komfortabel zu gestalten und eine stabile Positionierung ohne zusätzlichen Druck auf die empfindliche Augenregion zu unterstützen. Eine grössere Kühlfläche kann zudem eine umfassendere Abdeckung der behandelten Areale ermöglichen.
Insgesamt stellt die Kühlung eine etablierte unterstützende Massnahme dar. Die konkrete Anwendung sollte stets entsprechend den individuellen Empfehlungen der behandelnden Fachperson erfolgen.
Literatur
- Muaddi H, Lillie E, Silva S et al. The effect of cryotherapy application on postoperative pain: A systematic review and meta-analysis. Ann Surg. 2023;277(2):e257–e265. doi:10.1097/SLA.0000000000004987.
- Wyatt PB, Nelson CT, Cyrus JW et al. The role of cryotherapy after total knee arthroplasty: A systematic review. Arthroplasty Today. 2021;7:1–7. doi:10.1016/j.artd.2020.12.006.
- Karam MK, Moussa MK, Noailles T et al. Postoperative cryotherapy in joints other than the knee: A systematic review of pain, edema, analgesic use, and blood loss. Orthop J Sports Med. 2019;7(9):232596711987387.
- Bates AS, Knepil GJ. Systematic review and meta-analysis of the efficacy of hilotherapy following oral and maxillofacial surgery. Br J Oral Maxillofac Surg. 2016;54(8):851–856. doi:10.1016/j.bjoms.2016.05.012.
- Işık B, Suleymanzade M. Is cooling effective before upper lid blepharoplasty? J Plast Surg Hand Surg. 2012;46(3–4):217–220. doi:10.3109/2000656X.2012.671345.
- American Academy of Ophthalmology. Upper Eyelid Blepharoplasty.
